Egon Schiele – Seine schönsten Bilder
Kantige Körper, nervöse Linien, Blicke, die einen nicht mehr loslassen: Egon Schiele war erst 28, als er starb, und hatte doch die Kunst des 20. Jahrhunderts verändert.
In nur gut zehn Jahren schuf er rund 340 Gemälde und mehr als 2500 Zeichnungen und Aquarelle. Er provozierte das bürgerliche Wien mit Akten und schonungslosen Selbstbildnissen, kam deshalb sogar ins Gefängnis und wurde kurz vor seinem Tod als größter Maler Österreichs gefeiert. Hier stellen wir seine schönsten und berühmtesten Bilder vor.
- Lebensdaten
- 12. Juni 1890 (Tulln an der Donau) – 31. Oktober 1918 (Wien)
- Lebensorte
- Wien, Krumau in Südböhmen, Neulengbach
- Berühmte Werke
- Selbstbildnis mit Lampionfrucht, Bildnis Wally Neuzil, Tod und Mädchen, Vier Bäume, Die Familie
- Typisch
- Scharfe, nervöse Umrisse, verdrehte Körper, schonungslose Selbstbildnisse, fahle Hauttöne
Inhalt
Woran erkennt man ein Bild von Egon Schiele?
Schiele war vor allem Zeichner. Seine Umrisse sind scharf, eckig und voller Spannung, oft mit einem Strich in einem Zug gezogen.
Arme und Finger sind gespreizt, Körper verrenkt und abgemagert. Schiele zeigt Menschen nicht schön, sondern verletzlich und angespannt.
Viele Figuren stehen frei auf hellem Papier, ohne Raum und Möbel. So rückt der Mensch ganz in den Mittelpunkt.
Haut wird bei ihm grün, gelb oder rotbraun. Die Farben drücken Gefühle aus, nicht die Wirklichkeit.
Kaum ein Künstler hat sich so oft und so schonungslos selbst dargestellt, mit verzerrtem Gesicht, nackt oder als Mönch.
- 1890Geburt in Tulln an der Donau als Sohn des Bahnhofsvorstands.
- 1905Der Vater stirbt. Ein Onkel übernimmt die Vormundschaft und ist gegen die Künstlerlaufbahn.
- 1906Mit 16 Jahren wird er an der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen.
- 1907Er lernt Gustav Klimt kennen, der ihn fördert und Sammler vermittelt.
- 1909Schiele verlässt die Akademie und gründet mit Freunden die „Neukunstgruppe“.
- 1911Er lebt mit dem Modell Wally Neuzil zusammen, zuerst in Krumau, dann in Neulengbach.
- 1912Verhaftung in Neulengbach. Wegen erotischer Zeichnungen, die Kinder sehen konnten, sitzt er 24 Tage in Haft.
- 1915Heirat mit Edith Harms. Wenige Tage später wird er zum Kriegsdienst eingezogen.
- 1918Im März feiert ihn die Ausstellung der Wiener Secession. Ende Oktober sterben erst Edith und drei Tage später Schiele an der Spanischen Grippe.
- 2001In Wien eröffnet das Leopold Museum mit der größten Schiele-Sammlung der Welt.
Die schönsten Bilder von Egon Schiele

Egon Schiele: Selbstbildnis mit Lampionfrucht
- 1912
- Öl und Deckfarben auf Holz
- 32 x 40 cm
- Leopold Museum, Wien
Schiele dreht den Kopf zur Seite und schaut uns über die Schulter an, das Gesicht blass, die Haare wirr. Neben ihm leuchten die roten Früchte einer Lampionblume. Das kleine Bild ist eines seiner bekanntesten Selbstbildnisse. Er malte es als Gegenstück zum Bildnis seiner Geliebten Wally Neuzil, beide Bilder haben dasselbe Format und hängen heute nebeneinander im Leopold Museum.

Egon Schiele: Bildnis Wally Neuzil
- 1912
- Öl auf Holz
- 32 x 39,8 cm
- Leopold Museum, Wien
Wally Neuzil war Schieles Modell, Gefährtin und Stütze in den schwierigsten Jahren. Hier legt sie den Kopf schief und blickt uns mit großen blauen Augen an, das rote Haar fällt auf einen schwarzen Kragen. Das Bild hat eine bewegte Geschichte: Die Nationalsozialisten hatten es der jüdischen Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray geraubt, nach dem Krieg gelangte es über Umwege in die Sammlung von Rudolf Leopold. 1998 wurde es bei einer Ausstellung in New York beschlagnahmt. Erst 2010 einigten sich die Erben und das Leopold Museum.

Egon Schiele: Eremiten
- 1912
- Öl auf Leinwand
- 181 x 181 cm
- Leopold Museum, Wien
Zwei Gestalten in schwarzen Kutten stehen dicht beieinander vor einem kahlen, düsteren Hintergrund. Der vordere ist Schiele selbst, der hintere, mit geschlossenen Augen, ist sein Lehrer und Freund Gustav Klimt. Schiele zeigt die beiden Künstler als Einsiedler, die abseits der Gesellschaft stehen. Das große Bild entstand im Jahr seiner Verhaftung und spiegelt das Gefühl, ausgestoßen zu sein.

Egon Schiele: Tod und Mädchen
- 1915
- Öl auf Leinwand
- 150 x 180 cm
- Belvedere, Wien
Ein Mann in einer dunklen Mönchskutte und eine Frau klammern sich auf einem weißen Tuch aneinander, um sie herum eine zerklüftete, steinige Landschaft. Das Bild ist Schieles Abschied von Wally Neuzil: 1915 trennte er sich von ihr, um die bürgerliche Edith Harms zu heiraten. Wally ging als Krankenschwester in den Krieg und starb 1917 an Scharlach. Die Umarmung wirkt verzweifelt, als wüssten beide, dass es ihre letzte ist.

Egon Schiele: Zwei sich umarmende Frauen
- 1915
- Bleistift, Aquarell und Deckfarben auf Papier
- Museum der Bildenden Künste, Budapest
Zwei Frauen liegen eng umschlungen, die Körper bilden zusammen eine große, geschwungene Form. Die Linien sind sicher und fließend, die Farben sparsam gesetzt, dazwischen bleibt viel leeres Papier. Gerade in solchen Zeichnungen und Aquarellen zeigt sich Schieles Meisterschaft. Im Jahr seiner Hochzeit werden seine Bilder ruhiger und zärtlicher.

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Egon Schiele: Bildnis Edith Schiele (stehend)
- 1915
- Öl auf Leinwand
- 180 x 110 cm
- Kunstmuseum Den Haag
Schieles junge Frau Edith steht etwas steif und schüchtern vor einem leeren Hintergrund. Ihr Kleid mit den bunten Längsstreifen leuchtet, ihr Gesicht wirkt kindlich und fragend. Das Bild entstand im Jahr der Hochzeit und ist ganz anders als die Bilder von Wally: zurückhaltend, beinahe brav. Es zeigt, dass Schiele auch ein feinfühliger Porträtmaler sein konnte.

Egon Schiele: Vier Bäume
- 1917
- Öl auf Leinwand
- 110,5 x 141 cm
- Belvedere, Wien
Vier Kastanienbäume stehen in einer Reihe vor einem herbstlichen Abendhimmel aus roten, grünen und blauen Streifen, eine Sonne versinkt hinter dunklen Hügeln. Einer der Bäume hat schon fast alle Blätter verloren. Schiele malte auch Landschaften, und er gab Bäumen ähnliche Gefühle wie Menschen. Die strenge Reihe und die Farben wirken fast wie Musik.

Egon Schiele: Die Familie
- 1918
- Öl auf Leinwand
- 152,5 x 162,5 cm
- Belvedere, Wien
Ein Mann hockt hinter einer Frau, vor ihr sitzt ein kleines Kind. Der Mann ist Schiele selbst, die Familie aber eine Wunschvorstellung: Edith war im Herbst 1918 schwanger, das Kind sollte nie geboren werden. Wenige Monate nach dem Bild starben Edith und Egon Schiele an der Spanischen Grippe. So wurde „Die Familie“ zu seinem Vermächtnis, ein Bild voller Hoffnung, das unvollendet blieb.
Wo hängen Schieles Bilder?
Die weltweit größte Schiele-Sammlung besitzt das Leopold Museum in Wien. Im Belvedere hängen Hauptwerke wie „Tod und Mädchen“, „Die Familie“ und „Vier Bäume“, die Albertina verwahrt viele seiner Zeichnungen und Aquarelle. In seinem Geburtsort gibt es das Egon Schiele Museum Tulln, im tschechischen Český Krumlov das Egon Schiele Art Centrum. Außerhalb Österreichs lohnen das Museum of Modern Art in New York und die Neue Galerie, die sich auf deutsche und österreichische Kunst spezialisiert hat.
Fazit: Der Unbequeme
Schiele hat die Menschen gezeigt, wie sie sind: nackt, unsicher, verletzlich. Das hat seine Zeitgenossen schockiert und macht seine Bilder bis heute so stark. Mehr über Künstler, die wie er Gefühle wichtiger fanden als Schönheit, erfährst du in unserem Beitrag zum Expressionismus. Seinen Lehrer Gustav Klimt stellen wir im Beitrag zum Jugendstil vor.

















