Berühmte Bilder bekannter Künstler: Der japanische Holzschnitt
Eine riesige Welle mit Krallen aus Schaum, dahinter, winzig klein, der Berg Fuji: Hokusais „Große Welle“ ist vermutlich das bekannteste Bild Asiens. Es gehört zu einer Kunst, die im alten Japan als billige Massenware galt – dem Farbholzschnitt, japanisch Ukiyo-e, „Bilder der fließenden Welt“.
In der Großstadt Edo, dem heutigen Tokio, kaufen Händler, Handwerker und Theaterfans im 18. und 19. Jahrhundert Drucke von Kabuki-Stars, berühmten Schönheiten und Reisezielen. Ein Blatt kostete oft nicht mehr als eine Schale Nudeln. Als die Drucke nach der Öffnung Japans nach Europa kamen, veränderten sie die moderne Kunst – von Monet über van Gogh bis zum Jugendstil.
- Zeitraum
- ca. 1670–1900, Blütezeit 1765–1860
- Ursprung
- Japan, vor allem Edo (heute Tokio)
- Wichtige Künstler
- Katsushika Hokusai, Utagawa Hiroshige, Kitagawa Utamaro, Tōshūsai Sharaku, Utagawa Kuniyoshi
- Typisch
- Klare Umrisse, flache Farbflächen, kühne Bildausschnitte, Alltag und Landschaft
Inhalt
Woran erkennt man einen japanischen Holzschnitt?
Ein Verleger gibt das Blatt in Auftrag, der Künstler zeichnet den Entwurf, ein Holzschneider schnitzt die Druckstöcke und ein Drucker bringt die Farben aufs Papier.
Für jede Farbe gibt es einen eigenen Druckstock. So entstehen scharfe Umrisse und leuchtende, gleichmäßige Farbflächen.
Ein Brückenpfeiler ganz vorn, ein Berg ganz klein am Rand, Figuren angeschnitten – das wirkt bis heute modern.
Theater, Teehäuser, Mode, Feste und Reisen: Ukiyo-e zeigt das vergnügliche, vergängliche Leben der Stadtbürger.
Ab etwa 1830 kommt ein künstlicher Farbstoff aus Europa nach Japan – das Preußischblau. Es gibt Hokusais Welle ihr unverwechselbares Blau.
- 1765Suzuki Harunobu druckt in Edo die ersten vielfarbigen „Brokatbilder“ (Nishiki-e).
- 1793Kitagawa Utamaro veröffentlicht die „Drei Schönheiten der Gegenwart“.
- 1794Tōshūsai Sharaku bringt in nur zehn Monaten rund 140 Schauspielerbilder heraus – dann verschwindet er spurlos.
- 1831Um diese Zeit erscheint Hokusais Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ mit der „Großen Welle“.
- 1833Utagawa Hiroshige beginnt seine berühmte Reihe „53 Stationen des Tōkaidō“.
- 1849Katsushika Hokusai stirbt mit 88 Jahren in Edo.
- 1858Hiroshige stirbt während der Arbeit an den „Hundert berühmten Ansichten von Edo“.
- 1867Japan stellt auf der Weltausstellung in Paris aus – in Europa beginnt die Begeisterung für den „Japonismus“.
- 1887Vincent van Gogh kopiert in Paris Hiroshiges „Abendregen“ in Öl.
Berühmte Bilder bekannter Künstler des japanischen Holzschnitts

Katsushika Hokusai: Die große Welle vor Kanagawa
- um 1831
- Farbholzschnitt
- ca. 26 x 38 cm
- u. a. Metropolitan Museum of Art, New York
Drei schmale Boote kämpfen sich durch die aufgewühlte See, während sich über ihnen eine gewaltige Welle aufbäumt. Ihre Gischt zerfasert in Krallen, als wolle sie die Ruderer packen. Ganz klein in der Mitte, fast wie eine weitere Welle, ruht der schneebedeckte Fuji. Hokusai war rund 70 Jahre alt, als er das Blatt für seine Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ entwarf. Es wurde tausendfach gedruckt, heute besitzen Museen in aller Welt Abzüge. Der Komponist Claude Debussy ließ die Welle 1905 sogar auf den Umschlag seiner Noten zu „La Mer“ drucken.

Katsushika Hokusai: Roter Fuji (Feiner Wind, klarer Morgen)
- um 1831
- Farbholzschnitt
- ca. 26 x 38 cm
Aus derselben Serie stammt dieses Blatt, das mit nur wenigen Farben auskommt: Ein klarer Morgen im Spätsommer, ein leichter Südwind treibt Schäfchenwolken über den Himmel, und der Fuji glüht im ersten Sonnenlicht rot auf. Kein Mensch, kein Boot, nur Berg und Himmel – Hokusai reduziert die Landschaft auf ihre einfachste Form und schafft damit eines der ruhigsten und schönsten Bilder Japans.

Katsushika Hokusai: Der Yōrō-Wasserfall in der Provinz Mino
- um 1832
- Farbholzschnitt
- ca. 37 x 25 cm
- u. a. Metropolitan Museum of Art, New York
Wie eine blaue Säule stürzt das Wasser senkrecht über die Felswand, darunter rasten ein paar Reisende in einer Hütte. Das Blatt gehört zu Hokusais Serie „Reise zu den Wasserfällen der Provinzen“. Um den Yōrō-Wasserfall rankt sich eine Legende: Ein armer, liebevoller Sohn soll dort für seinen alten Vater Wasser geschöpft haben, das sich in Reiswein verwandelte. Der Name Yōrō bedeutet so viel wie „das Alter pflegen“.

Die „Große Welle“, der Yōrō-Wasserfall und Hokusais „Kuckuck und Azaleen“ gibt es auf T-Shirts, Hoodies, Caps und Stoffbeuteln – erst nach deiner Bestellung für dich bedruckt.
Zur Hokusai-Kollektion →
Utagawa Hiroshige: Plötzlicher Abendregen über der Shin-Ōhashi-Brücke
- 1857
- Farbholzschnitt
- ca. 36 x 24 cm
- u. a. Metropolitan Museum of Art, New York
Ein Sommergewitter bricht über Edo herein. Der Regen fällt in feinen, dunklen Linien, Menschen mit Schirmen und Strohumhängen hasten über die hohe Holzbrücke, unten auf dem Fluss stakt ein einsamer Flößer. Auf dem anderen Ufer verschwindet die Stadt im grauen Dunst. Hiroshige war der große Landschaftsmaler des Ukiyo-e, und dieses Blatt aus seinen „Hundert berühmten Ansichten von Edo“ fasziniert durch seinen steilen Blick von oben. Van Gogh fand es so großartig, dass er es Strich für Strich in Öl nachmalte.

Kitagawa Utamaro: Drei Schönheiten der Gegenwart
- um 1793
- Farbholzschnitt mit Glimmergrund
- ca. 39 x 26 cm
Drei junge Frauen, dicht aneinandergerückt vor einem schimmernden Hintergrund aus Glimmerstaub. Sie waren echte Berühmtheiten im Edo ihrer Zeit: die Geisha Tomimoto Toyohina in der Mitte, dazu zwei bewunderte Bedienungen aus Teehäusern. Wer sie sind, verraten die Familienwappen auf ihren Kimonos. Utamaro war der Meister der „Bijin-ga“, der Bilder schöner Frauen. Mit seinen Nahaufnahmen von Gesichtern machte er Teehausmädchen zu Stars – ähnlich wie heute ein Titelbild.

Tōshūsai Sharaku: Der Schauspieler Ōtani Oniji III. als Yakko Edobei
- 1794
- Farbholzschnitt mit dunklem Glimmergrund
- ca. 38 x 25 cm
- u. a. Metropolitan Museum of Art, New York
Ein Kabuki-Schauspieler in der Rolle eines Schurken, der gleich zuschlagen will: die Augenbrauen hochgezogen, der Mund verkniffen, die Hände wie Krallen nach vorn gestreckt. Sharaku zeigt die Darsteller nicht geschönt, sondern mit allen Grimassen und Eigenheiten. Vielleicht war das zu ehrlich für den Geschmack seiner Zeit – nach nur zehn Monaten verschwand er wieder. Wer Sharaku wirklich war, ist bis heute eines der großen Rätsel der japanischen Kunst.

Utagawa Kuniyoshi: Die Prinzessin Takiyasha und das Skelettgespenst
- um 1844
- Farbholzschnitt, Triptychon aus drei Blättern
In einem verfallenen Palast beschwört die Prinzessin Takiyasha, Tochter eines gestürzten Rebellen, ein riesiges Skelett herauf. Es beugt sich über alle drei Blätter hinweg aus der Dunkelheit, um den Krieger zu erschrecken, der den Palast untersuchen soll. Kuniyoshi war der Meister der Helden, Geister und Monster, und sein Skelett ist erstaunlich genau – er soll dafür europäische Anatomiebücher studiert haben. Das Blatt ist bis heute ein Lieblingsmotiv für Poster und Tattoos.
Japonismus: Wie Japan die europäische Kunst veränderte
Ab den 1860er-Jahren kamen japanische Drucke in großer Zahl nach Paris – angeblich zunächst sogar als Verpackungsmaterial für Porzellan. Die Künstler waren elektrisiert: keine Zentralperspektive, keine Schatten, dafür klare Linien, mutige Ausschnitte und leuchtende Farbflächen. Claude Monet sammelte über 200 Holzschnitte und ließ sich in Giverny eine japanische Brücke über seinen Seerosenteich bauen, die er immer wieder malte (mehr dazu in unserem Beitrag zum Impressionismus). Toulouse-Lautrec und Mucha übernahmen die flachen Farben für ihre Plakate, aus denen der Jugendstil hervorging.

Vincent van Gogh: Brücke im Regen (nach Hiroshige)
- 1887
- Öl auf Leinwand
- 73 x 54 cm
- Van Gogh Museum, Amsterdam
Kaum ein Maler war so verliebt in Japan wie Vincent van Gogh. Mit seinem Bruder Theo sammelte er Hunderte Holzschnitte und nannte sie seine Lehrmeister. In Paris malte er Hiroshiges Abendregen in Öl nach – mit kräftigeren Farben und einem Rahmen aus japanischen Schriftzeichen, die er von anderen Drucken abschrieb, ohne ihre Bedeutung zu kennen. Später zog er nach Arles in Südfrankreich, weil er hoffte, dort ein Licht wie in Japan zu finden.

Sternennacht, Sonnenblumen und Weizenfeld auf T-Shirts, Hoodies, Caps und Stoffbeuteln – erst nach deiner Bestellung für dich bedruckt.
Zur Van-Gogh-Kollektion →Fazit: Große Kunst für kleines Geld
Der japanische Holzschnitt war Gebrauchskunst: Plakat, Starfoto und Reiseprospekt in einem. Gerade deshalb ist er so lebendig. Hokusais Welle, Hiroshiges Regen und Utamaros Schönheiten zeigen eine Welt voller Bewegung, Witz und Eleganz. Und ohne sie hätten Monet, van Gogh und die Künstler des Jugendstils anders gemalt. Die Welle selbst ist längst in der Popkultur angekommen – sogar als Emoji auf unseren Handys.
















