Berühmte Gemälde bekannter Künstler: Barock und Goldenes Zeitalter
Nach der ausgewogenen Harmonie der Renaissance wird die Malerei um 1600 dramatisch. Grelles Licht schneidet aus tiefer Dunkelheit Gesichter und Hände heraus, Körper drehen und winden sich, alles ist in Bewegung. Der Barock will überwältigen: In den katholischen Ländern setzt die Kirche nach der Reformation auf Bilder, die Gläubige ergreifen, und Könige zeigen ihre Macht mit prachtvollen Palästen und riesigen Gemälden. Der Name kommt vermutlich vom portugiesischen „barroco“, einer unregelmäßig geformten Perle – zuerst war er ein Schimpfwort.
Ganz anders im Norden: In den protestantischen Niederlanden, die sich gerade von Spanien unabhängig gemacht haben, kaufen reiche Bürger Bilder für ihre Wohnzimmer. Das 17. Jahrhundert wird zum Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei – mit Rembrandt, Frans Hals, Judith Leyster und Jan Vermeer.
- Zeitraum
- ca. 1600–1750, in den Niederlanden vor allem das 17. Jahrhundert
- Ursprung
- Rom, dann ganz Europa; in den Niederlanden Amsterdam, Haarlem und Delft
- Wichtige Künstler
- Caravaggio, Peter Paul Rubens, Diego Velázquez, Rembrandt, Frans Hals, Judith Leyster, Jan Vermeer
- Typisch
- Licht und Schatten, Drama, Bewegung, im Norden Alltag und Porträt
Inhalt
Woran erkennt man ein Gemälde des Barock?
Hell-Dunkel-Malerei: Ein scharfer Lichtstrahl holt die wichtigsten Figuren aus der Finsternis, wie ein Scheinwerfer auf der Bühne.
Schräge Diagonalen, gedrehte Körper, wehende Stoffe – gemalt wird der Moment der größten Spannung.
Für Kirchen und Höfe entstehen Bilder in gewaltigen Formaten, voller Gold, Samt und Glanz.
In den Niederlanden entsteht ein echter Kunstmarkt. Maler spezialisieren sich auf Porträts, Landschaften, Stillleben oder Szenen aus dem Alltag.
Eine Frau liest einen Brief, eine Magd gießt Milch ein: Im Norden wird auch das Unspektakuläre bildwürdig, getaucht in weiches Tageslicht.
- 1600In Rom werden Caravaggios Gemälde für die Contarelli-Kapelle enthüllt – sie machen ihn schlagartig berühmt.
- 1609Spanien und die Niederlande schließen einen zwölfjährigen Waffenstillstand. Rubens wird Hofmaler in Antwerpen.
- 1642Rembrandt vollendet die „Nachtwache“ für das Haus der Amsterdamer Bürgerwehr.
- 1648Mit dem Westfälischen Frieden sind die Niederlande offiziell unabhängig.
- 1656Diego Velázquez malt in Madrid „Las Meninas“.
- 1665Um diese Zeit malt Jan Vermeer in Delft „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“.
- 1669Rembrandt stirbt verarmt in Amsterdam.
- 1675Vermeer stirbt mit 43 Jahren hoch verschuldet. Seit dem Kriegsjahr 1672 ist der Kunstmarkt in den Niederlanden zusammengebrochen.
Berühmte Gemälde bekannter Künstler des Barock

Caravaggio: Die Berufung des heiligen Matthäus
- 1599–1600
- Öl auf Leinwand
- 322 x 340 cm
- San Luigi dei Francesi, Rom
Ein paar Männer sitzen an einem Tisch und zählen Geld, als von rechts Jesus hereinkommt und auf einen von ihnen zeigt. Ein schräger Lichtstrahl fällt über die Wand und trifft die Gesichter. Caravaggio verlegt die biblische Szene in eine römische Schänke und nimmt Leute von der Straße als Modelle. Bis heute wird gestritten, wer eigentlich Matthäus ist: der bärtige Mann, der auf sich selbst zu zeigen scheint, oder der junge Mann, der über das Geld gebeugt bleibt. Seine Hell-Dunkel-Malerei fand Nachahmer in ganz Europa.

Peter Paul Rubens: Die Kreuzaufrichtung
- 1610–1611
- Öl auf Holz, Triptychon
- Mitteltafel 462 x 341 cm
- Liebfrauenkathedrale, Antwerpen
Muskulöse Männer stemmen sich mit aller Kraft gegen das schwere Kreuz, an dem Christus hängt. Die ganze Szene kippt als eine einzige Diagonale durch das Bild. Rubens war gerade aus Italien zurückgekehrt, wo er Michelangelo und Caravaggio studiert hatte, und zeigte den Antwerpenern mit diesem Altar, was Barockmalerei kann. Wer „Ein Hund von Flandern“ kennt: Genau dieses Bild möchte der kleine Nello in der Kathedrale unbedingt einmal sehen.

Diego Velázquez: Las Meninas
- 1656
- Öl auf Leinwand
- 318 x 276 cm
- Museo del Prado, Madrid
Im Mittelpunkt steht die kleine Infantin Margarita, umgeben von ihren Hofdamen, den „Meninas“, zwei Hofzwergen und einem Hund. Links malt Velázquez sich selbst an einer riesigen Leinwand. Und im Spiegel an der Rückwand erscheinen König Philipp IV. und seine Frau. Stehen wir also dort, wo das Königspaar steht? Dieses raffinierte Spiel mit Blicken macht „Las Meninas“ zu einem der meistdiskutierten Gemälde überhaupt. Das rote Kreuz auf der Brust des Malers kam erst später dazu, als Velázquez in den Santiago-Orden aufgenommen wurde.
Das Goldene Zeitalter der Niederlande
Während im Süden Kirchen und Könige die Aufträge geben, sind es im Norden Kaufleute, Handwerker und Bürgerwehren. Amsterdam ist im 17. Jahrhundert eine der reichsten Städte der Welt, und fast jeder Haushalt, der es sich leisten kann, hängt Bilder an die Wand. Schätzungen gehen von Millionen Gemälden aus, die in dieser Zeit entstanden sind.

Rembrandt van Rijn: Die Nachtwache
- 1642
- Öl auf Leinwand
- 380 x 454 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Eigentlich sollte Rembrandt ein Gruppenbild der Amsterdamer Bürgerwehr unter Hauptmann Frans Banninck Cocq malen – brav nebeneinander aufgereiht, wie damals üblich. Stattdessen setzt er die Männer in Bewegung: Der Hauptmann gibt den Befehl zum Abmarsch, Fahnen werden geschwenkt, Gewehre geladen. Mittendrin leuchtet ein Mädchen in goldenem Licht. Den Namen „Nachtwache“ bekam das Bild erst später, weil der Firnis stark nachgedunkelt war. Eigentlich ist es eine Szene am Tag.

Rembrandt van Rijn: Die Mühle
- 1645–1648
- Öl auf Leinwand
- 88 x 106 cm
- National Gallery of Art, Washington
Eine Windmühle steht auf einem Bollwerk über dem Wasser, dahinter bricht nach einem Gewitter das Licht durch die dunklen Wolken. Es ist eine der wenigen Landschaften, die Rembrandt gemalt hat, und ihre dramatische Stimmung begeisterte später vor allem die Maler der Romantik. Als die Mühle 1911 aus einer englischen Adelssammlung für die damals riesige Summe von 100.000 Pfund an einen amerikanischen Sammler verkauft wurde, ging ein Aufschrei durch Großbritannien. Heute hängt sie in Washington.

Rembrandts „Mühle“ gibt es bei uns auf T-Shirt, Hoodie und Stoffbeutel – erst nach deiner Bestellung für dich bedruckt.
Zur Rembrandt-Kollektion →
Frans Hals: Der lachende Kavalier
- 1624
- Öl auf Leinwand
- 83 x 67 cm
- Wallace Collection, London
Er lacht eigentlich gar nicht, er lächelt nur – selbstbewusst, mit hochgezwirbeltem Schnurrbart und der Hand in der Hüfte. Den Titel bekam das Bild erst im 19. Jahrhundert. Laut Inschrift war der Mann 26 Jahre alt, wer er war, wissen wir nicht. Bewundernswert ist der prächtige Ärmel, bestickt mit Pfeilen, Flammen und Bienen, die als Zeichen der Liebe galten. Frans Hals malte so schnell und locker, dass ihn 200 Jahre später Édouard Manet und Vincent van Gogh als Vorbild feierten.

Judith Leyster: Selbstbildnis
- um 1630
- Öl auf Leinwand
- 75 x 65 cm
- National Gallery of Art, Washington
Locker zurückgelehnt, den Pinsel in der Hand, dreht sich die junge Malerin zu uns um und lächelt, als hätten wir sie gerade bei der Arbeit unterbrochen. Auf der Staffelei steht ein fröhlicher Geigenspieler. Judith Leyster gehörte zu den ersten Frauen, die in die Haarlemer Malergilde aufgenommen wurden, und hatte eine eigene Werkstatt mit Schülern. Trotzdem gerieten ihre Bilder in Vergessenheit und wurden lange Frans Hals zugeschrieben – erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man ihr Monogramm wieder.

Jan Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring
- um 1665
- Öl auf Leinwand
- 44,5 x 39 cm
- Mauritshuis, Den Haag
Ein Mädchen mit blau-gelbem Turban dreht sich zu uns um, die Lippen leicht geöffnet, im Ohr eine große, schimmernde Perle. Es ist kein Porträt einer bestimmten Person, sondern eine sogenannte Tronie, eine Studie eines Gesichts mit exotischer Kleidung. Für das leuchtende Blau verwendete Vermeer kostbares Ultramarin aus Lapislazuli, die Perle besteht nur aus wenigen Pinselstrichen. 1881 wurde das Bild für gerade einmal zwei Gulden und 30 Cent ersteigert. Heute nennt man es die „Mona Lisa des Nordens“.

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ gibt es auf T-Shirts, Hoodies, einem Crop-Hoodie und Stoffbeuteln – erst nach deiner Bestellung für dich bedruckt.
Zur Vermeer-Kollektion →Fazit: Theater des Lichts
Der Barock hat die Malerei zur großen Bühne gemacht. Caravaggio, Rubens und Velázquez inszenieren Licht, Bewegung und Macht so packend, dass man bis heute stehen bleibt. Im Norden zeigen Rembrandt, Frans Hals, Judith Leyster und Vermeer, dass ein lächelnder Mann, eine Windmühle oder ein Mädchen mit Perle genauso viel erzählen können. Von Vermeer sind nur rund 35 Gemälde bekannt, und fast jedes davon ist berühmt. Wie es danach weiterging, verspielter, heller und leichter, zeigt unser Beitrag über das Rokoko.
















