Alfons Mucha – Seine schönsten Bilder
Frauen mit wallendem Haar, umrahmt von Blumen, Ornamenten und einem leuchtenden Kreis: Diesen Stil kennt jeder, und er hat einen Namen. In Paris nannte man ihn um 1900 einfach „le style Mucha“.
Alfons Mucha kam als unbekannter Zeichner aus Mähren nach Paris und wurde mit einem einzigen Plakat über Nacht berühmt. Er entwarf Werbung, Schmuck, Bücher und Ausstellungsräume und prägte den Jugendstil wie kaum ein anderer. Sein Herz aber gehörte einem riesigen Gemäldezyklus über die Geschichte der Slawen. Hier stellen wir seine schönsten Werke vor.
- Lebensdaten
- 24. Juli 1860 (Ivančice, Mähren) – 14. Juli 1939 (Prag)
- Lebensorte
- Mähren, Wien, München, ab 1887 Paris, ab 1910 Prag
- Berühmte Werke
- Gismonda, Zodiaque, Die Jahreszeiten, Job, Das Slawische Epos
- Typisch
- Schöne Frauen mit wallendem Haar, Heiligenschein-Kreise, Blumen und Ornamente, zarte Pastellfarben
Inhalt
Woran erkennt man ein Werk von Alfons Mucha?
Im Mittelpunkt steht fast immer eine junge Frau mit langen, wallenden Haaren, die sich in Locken und Schwüngen um sie legen.
Hinter dem Kopf leuchtet ein großer Kreis wie ein Heiligenschein, das Ganze ist von verzierten Rahmen und Bögen umgeben.
Blumen, Ranken und byzantinisch anmutende Muster füllen jede freie Fläche. Natur wird zur Dekoration.
Zarte Pastelltöne, Gold und Elfenbein bestimmen die Bilder, oft mit kräftigen dunklen Umrissen wie bei Glasfenstern.
Mucha wollte schöne Dinge für den Alltag schaffen: Plakate, Kalender, Verpackungen, Postkarten, die sich jeder leisten konnte.
- 1860Geburt in Ivančice in Mähren, damals Teil Österreichs.
- 1879In Wien arbeitet er für eine Firma, die Theaterkulissen herstellt.
- 1885Ein Gönner, Graf Khuen-Belasi, finanziert ihm das Studium an der Münchner Akademie.
- 1887Umzug nach Paris. Mucha studiert an privaten Akademien und arbeitet als Buchillustrator.
- 1894An Weihnachten entwirft er in wenigen Tagen das Plakat „Gismonda“ für die Schauspielerin Sarah Bernhardt. Ab Neujahr hängt es überall in Paris.
- 1900Auf der Pariser Weltausstellung gestaltet er den Pavillon von Bosnien und Herzegowina.
- 1904Erste von mehreren Reisen in die USA, wo er Aufträge und Förderer sucht.
- 1910Mit Geld des Amerikaners Charles Crane beginnt er in Böhmen das „Slawische Epos“.
- 1918Für die neu gegründete Tschechoslowakei entwirft er die ersten Briefmarken und Banknoten.
- 1928Er schenkt der Stadt Prag die 20 Bilder des Slawischen Epos.
- 1939Kurz nach dem Einmarsch der Deutschen wird Mucha von der Gestapo verhört. Er stirbt wenige Monate später in Prag.
Die schönsten Werke von Alfons Mucha

Alfons Mucha: Gismonda
- 1894
- Farblithografie (Plakat)
- 216 x 74 cm
Sarah Bernhardt, die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit, steht in einem goldbestickten Gewand mit einem Palmzweig in der Hand, über ihrem Kopf ein mosaikartiger Bogen. Das schmale, lebensgroße Plakat war etwas völlig Neues: ruhig, feierlich, fast wie eine Ikone. Die Pariser rissen die Plakate von den Wänden, um sie mitzunehmen. Bernhardt war so begeistert, dass sie Mucha für sechs Jahre unter Vertrag nahm.

Alfons Mucha: Salon des Cent
- 1896
- Farblithografie (Plakat)
- 64 x 43 cm
- u. a. Mucha Museum, Prag
Eine junge Frau mit langem goldenem Haar und geschlossenen Augen, ein weißes Band um den Kopf, hält eine Schreibfeder und einen Pinsel in der Hand, um sie herum funkeln kleine Sterne. Das Plakat warb für die 20. Ausstellung des „Salon des Cent“, einer Künstlervereinigung der Zeitschrift „La Plume“. Mucha verkörpert hier die Kunst selbst. Ein Jahr später widmete ihm der Salon eine große Einzelausstellung mit über 400 Werken.

Alfons Mucha: Zodiaque
- 1896
- Farblithografie
- 66 x 48 cm
Ein Frauenkopf im Profil, geschmückt mit kostbarem Schmuck und Diadem, dahinter ein Kreis mit den zwölf Tierkreiszeichen. Mucha entwarf das Motiv als Kalender für seine Druckerei Champenois, die Zeitschrift „La Plume“ verwendete es später ebenfalls. Es ist eines seiner bekanntesten und meistkopierten Werke, ein perfektes Beispiel für den „style Mucha“ mit Kreis, Ornament und fein gezeichnetem Gesicht.

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Alfons Mucha: Die Jahreszeiten
- 1896
- Farblithografie, vier Tafeln
- je ca. 103 x 54 cm
- u. a. Mucha Museum, Prag
Frühling, Sommer, Herbst und Winter als vier junge Frauen: Die eine spielt mit Blüten, die andere sitzt im Sommerkleid zwischen Mohnblumen, die dritte pflückt Trauben, die vierte hüllt sich in einen Umhang gegen die Kälte. Solche „dekorativen Tafeln“ waren Plakate ohne Werbung, gedacht als preiswerter Wandschmuck. Die Jahreszeiten waren so beliebt, dass Mucha das Thema mehrfach neu gestaltete.

Alfons Mucha: Monaco – Monte-Carlo
- 1897
- Farblithografie (Plakat)
- 108 x 74 cm
- u. a. Mucha Museum, Prag
Eine junge Frau kniet, die Hände sehnsüchtig ans Kinn gelegt, umgeben von riesigen Kreisen aus Blüten und Blättern, die an Räder oder Gleise erinnern. Unten liegt die Bucht von Monaco. Das Plakat warb für die Bahnlinie der Gesellschaft P.L.M. von Paris an die Côte d’Azur. Statt eines Zuges zeigt Mucha die Sehnsucht nach dem Süden, ein Motiv, das bis heute auf Postern zu finden ist.

Alfons Mucha: Job
- 1896
- Farblithografie (Plakat)
- u. a. Library of Congress, Washington
Eine Frau mit wild geschwungenem schwarzem Haar hält genüsslich eine Zigarette, der Rauch kräuselt sich nach oben, in der anderen Hand hält sie ein Heftchen Zigarettenpapier. Darüber prangt in großen Buchstaben der Name der Marke „JOB“, dahinter ein Mosaik aus ihrem Monogramm. Das Haar füllt fast das ganze Plakat und wird selbst zum Ornament. Mucha zeigt hier, wie Werbung zur Kunst werden kann. Heute zählt das Plakat zu den Ikonen des Jugendstils.

Alfons Mucha: Médée
- 1898
- Farblithografie (Plakat)
- 206 x 76 cm
- u. a. Bibliothèque nationale de France, Paris
Sarah Bernhardt als Medea, die Zauberin der griechischen Sage, steht starr mit einem blutigen Dolch in der Hand, zu ihren Füßen liegt eines ihrer getöteten Kinder. Das Plakat ist düsterer als Muchas übrige Werke. Am Arm trägt Medea einen Armreif in Form einer Schlange. Bernhardt gefiel er so gut, dass sie ihn vom Juwelier Georges Fouquet nach Muchas Entwurf anfertigen ließ.

Alfons Mucha: Die Slawen in ihrer Urheimat (aus dem Slawischen Epos)
- 1912
- Tempera und Öl auf Leinwand
- 610 x 810 cm
- Stadt Prag
Nachts in einer weiten Ebene ducken sich zwei Menschen ängstlich im Gras, während im Hintergrund Reiter ein Dorf überfallen. Am Himmel schwebt ein heidnischer Priester mit einem Jungen und einem Mädchen, die Krieg und Frieden verkörpern. Es ist das erste der 20 riesigen Gemälde des Slawischen Epos, an dem Mucha fast zwanzig Jahre arbeitete. Er selbst hielt den Zyklus für sein wichtigstes Werk.
Wo kann man Muchas Werke sehen?
Das Mucha Museum in Prag zeigt Plakate, Gemälde, Zeichnungen und Fotos aus seinem Nachlass. Im Gemeindehaus (Obecní dům) in Prag hat Mucha den Saal des Bürgermeisters ausgestaltet, im Veitsdom auf der Prager Burg stammt ein großes Glasfenster von ihm. Das Slawische Epos gehört der Stadt Prag. Plakate von Mucha besitzen viele Museen, in Deutschland etwa das Bröhan-Museum in Berlin und das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.
Fazit: Der Meister des Jugendstils
Mucha hat Plakate zu Kunstwerken gemacht und die Kunst auf die Straße gebracht. Sein Stil wird bis heute nachgeahmt, von Comics bis zu Tattoos. Mehr über Klimt, Toulouse-Lautrec und Franz von Stuck erfährst du in unserem Beitrag zum Jugendstil.

















