Jan Vermeer – Seine schönsten Bilder
Eine Frau gießt Milch in eine Schüssel, ein Mädchen dreht sich mit einem Perlenohrring zu uns um, Licht fällt durch ein Fenster auf einen Brief. Mehr passiert nicht in den Bildern von Jan Vermeer, und doch kann man sich kaum an ihnen sattsehen.
Johannes Vermeer, meist Jan genannt, lebte sein ganzes Leben in der Stadt Delft. Er malte langsam und sorgfältig, nur etwa 37 Gemälde gelten heute als sicher von ihm. Nach seinem Tod geriet er fast 200 Jahre lang in Vergessenheit. Heute ist er einer der beliebtesten Maler überhaupt. Hier stellen wir seine schönsten Bilder vor.
- Lebensdaten
- getauft 31. Oktober 1632 (Delft) – begraben 15. Dezember 1675 (Delft)
- Lebensorte
- Delft in der Provinz Holland
- Berühmte Werke
- Die Milchmagd, Ansicht von Delft, Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Die Malkunst, Briefleserin am offenen Fenster
- Typisch
- Stille Szenen im Innenraum, Licht vom Fenster links, kostbares Ultramarinblau, feine Lichtpunkte
Inhalt
Woran erkennt man ein Bild von Jan Vermeer?
Eine Frau liest, schreibt, schenkt ein, spielt Musik. Vermeer hält ruhige Augenblicke des Alltags fest, in denen die Zeit stillzustehen scheint.
Fast immer fällt das Tageslicht durch ein Fenster an der linken Seite und lässt Wände, Stoffe und Gesichter sanft leuchten.
Vermeer liebte das teure Blau aus gemahlenem Lapislazuli, das kostbarer war als Gold. Er setzte es selbst in Schatten und Wänden ein.
Auf Brot, Metall und Perlen setzt er kleine helle Tupfer, die wie Lichtreflexe glitzern. Manche Forscher vermuten, dass er dafür eine Camera obscura nutzte.
Dieselben Stühle mit Löwenköpfen, dieselbe gelbe Jacke, dieselben Fliesen tauchen in vielen Bildern auf. Vermeer malte wohl meist im selben Raum seines Hauses.
- 1632Vermeer wird in Delft getauft. Sein Vater ist Seidenweber, betreibt ein Gasthaus und handelt mit Kunst.
- 1653Heirat mit Catharina Bolnes. Im selben Jahr tritt er als Meister in die Delfter Malergilde ein.
- 1656„Die Kupplerin“ ist eines von nur drei datierten Bildern Vermeers.
- 1662Die Gilde wählt ihn zum ersten Mal zu einem ihrer Vorsteher.
- 1672Frankreich überfällt die Niederlande, der Kunstmarkt bricht zusammen.
- 1675Vermeer stirbt mit 43 Jahren hoch verschuldet. Seine Witwe bleibt mit elf Kindern zurück.
- 1866Der französische Kritiker Théophile Thoré-Bürger veröffentlicht die erste große Studie über ihn und macht ihn wieder bekannt.
- 1999Der Roman „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Tracy Chevalier wird ein Bestseller, 2003 folgt der Film mit Scarlett Johansson.
- 2023Das Rijksmuseum zeigt mit 28 Gemälden die größte Vermeer-Ausstellung aller Zeiten. Alle Karten sind in kurzer Zeit ausverkauft.
Die schönsten Bilder von Jan Vermeer

Jan Vermeer: Die Kupplerin
- 1656
- Öl auf Leinwand
- 143 x 130 cm
- Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden
Ein Mann im roten Rock legt einer jungen Frau die Hand auf die Brust und eine Münze in ihre Hand, daneben grinst eine alte Kupplerin. Links schaut ein junger Mann mit Barett und Weinglas zu uns heraus. Vielleicht ist das Vermeer selbst, es wäre sein einziges Selbstbildnis. Das große, farbenfrohe Bild ist noch ganz anders als seine späteren stillen Szenen. Vorne liegt ein orientalischer Teppich, so genau gemalt, dass man jedes Muster erkennt.

Jan Vermeer: Briefleserin am offenen Fenster
- um 1657–1659
- Öl auf Leinwand
- 83 x 64,5 cm
- Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden
Eine junge Frau steht am offenen Fenster und liest einen Brief, ihr Spiegelbild erscheint schwach in der Scheibe. Jahrhundertelang war hinter ihr nur eine leere Wand zu sehen. Bei der Restaurierung stellte sich heraus, dass ein Bild im Bild, ein großer nackter Liebesgott, erst nach Vermeers Tod übermalt worden war. 2021 wurde der Amor freigelegt. Seitdem ist klar, dass es in dem Brief um Liebe geht.

Jan Vermeer: Die Milchmagd
- um 1658–1659
- Öl auf Leinwand
- 45,5 x 41 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Eine Küchenmagd gießt ganz konzentriert Milch aus einem Krug in eine Schüssel. Mehr geschieht nicht, und doch ist das kleine Bild eines der berühmtesten der Niederlande. Das Licht vom Fenster lässt das Brot glitzern, die gelbe Jacke und die blaue Schürze leuchten. Sogar die Nagellöcher in der weißen Wand und das Stövchen am Boden hat Vermeer gemalt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Vermeer ursprünglich noch einen Krughalter an der Wand und einen Wäschekorb gemalt hatte. Er übermalte beides, damit die Frau ganz für sich steht.

Jan Vermeer: Die kleine Straße
- um 1658
- Öl auf Leinwand
- 54,3 x 44 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Ein altes Backsteinhaus in Delft, daneben ein Durchgang zum Hof. Eine Frau sitzt nähend in der Tür, eine Magd beugt sich im Hof über ein Fass, Kinder spielen auf dem Gehweg. Vermeer malte nur zwei Stadtansichten, dies ist eine davon. Lange rätselte man, wo das Haus stand. 2015 fand ein Forscher in einem alten Abgabenregister der Stadt die Lösung: in der Vlamingstraat, wo die Tante des Malers wohnte.

Jan Vermeer: Ansicht von Delft
- um 1660–1661
- Öl auf Leinwand
- 96,5 x 115,7 cm
- Mauritshuis, Den Haag
Über dem Wasser liegt Delft mit seinen Toren, Dächern und Kirchtürmen, darüber ein weiter Himmel mit Wolken. Ein Schatten liegt über der Stadt, nur dahinter leuchten Dächer und der Turm der Nieuwe Kerk im Sonnenlicht. Für den Schriftsteller Marcel Proust war es „das schönste Bild der Welt“. In seinem Roman lässt er eine Figur vor dem „kleinen gelben Mauerstück“ dieses Bildes sterben.

Jan Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring
- um 1665
- Öl auf Leinwand
- 44,5 x 39 cm
- Mauritshuis, Den Haag
Ein Mädchen mit blau-gelbem Turban dreht sich über die Schulter zu uns um, die Lippen leicht geöffnet, an ihrem Ohr glänzt eine große Perle. Es ist kein Porträt einer bestimmten Person, sondern ein sogenanntes Tronie, eine Studie eines Gesichts mit fantasievollem Kostüm. Die Perle besteht nur aus zwei Pinselstrichen. 1881 kaufte ein Sammler das Bild für zwei Gulden und dreißig Cent. Heute nennt man es die „Mona Lisa des Nordens“.

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Jan Vermeer: Die Malkunst
- um 1666–1668
- Öl auf Leinwand
- 120 x 100 cm
- Kunsthistorisches Museum, Wien
Ein schwerer Vorhang wird zur Seite gezogen, dahinter sitzt ein Maler von hinten gesehen an seiner Staffelei. Sein Modell trägt einen Lorbeerkranz, eine Posaune und ein Buch: Sie ist Klio, die Muse der Geschichte. An der Wand hängt eine große Landkarte der Niederlande. Vermeer hat das Bild offenbar nie verkauft, seine Witwe versuchte es nach seinem Tod vor den Gläubigern zu retten. 1940 kaufte es Adolf Hitler, nach dem Krieg kam es nach Wien.

Jan Vermeer: Der Astronom
- 1668
- Öl auf Leinwand
- 51 x 45 cm
- Musée du Louvre, Paris
Ein Gelehrter im langen Gewand beugt sich über einen Himmelsglobus und streckt die Hand danach aus, auf dem Tisch liegt ein aufgeschlagenes Buch. Es ist eines der wenigen Bilder Vermeers, auf denen ein Mann allein zu sehen ist. Sein Gegenstück, „Der Geograph“, hängt heute im Städel in Frankfurt. Im Zweiten Weltkrieg raubten die Nationalsozialisten den „Astronom“ aus der Sammlung der Familie Rothschild. Nach dem Krieg wurde er zurückgegeben und kam 1983 in den Louvre.
Wo hängen Vermeers Bilder?
Die etwa 37 Gemälde verteilen sich auf Museen in sieben Ländern. Die meisten besitzen das Rijksmuseum in Amsterdam (Milchmagd, Kleine Straße) und das Mauritshuis in Den Haag (Mädchen mit dem Perlenohrring, Ansicht von Delft). Auffällig viele Vermeers hängen in Deutschland: zwei in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, zwei in der Berliner Gemäldegalerie, „Der Geograph“ im Städel in Frankfurt und „Das Mädchen mit dem Weinglas“ im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig.
Fazit: Der Meister der Stille
Vermeer malte keine Schlachten und keine Heiligen, sondern Licht, das in ein Zimmer fällt. Gerade diese Stille macht seine Bilder so modern. Mehr über seine Zeitgenossen Rembrandt, Rubens und Frans Hals erfährst du in unserem Beitrag zum Barock und Goldenen Zeitalter.

















