Rembrandt – Seine schönsten Bilder
Licht, das aus der Dunkelheit leuchtet, Gesichter, in denen man ein ganzes Leben lesen kann: Rembrandt van Rijn ist der berühmteste Maler des Goldenen Zeitalters der Niederlande.
Er war ein gefeierter Star in Amsterdam, verlor später sein Vermögen und malte gerade in den Jahren der Not seine ergreifendsten Bilder. Von ihm sind rund 300 Gemälde, etwa 300 Radierungen und Hunderte Zeichnungen erhalten, darunter fast 80 Selbstbildnisse. Hier stellen wir seine schönsten und berühmtesten Werke vor.
- Lebensdaten
- 15. Juli 1606 (Leiden) – 4. Oktober 1669 (Amsterdam)
- Lebensorte
- Leiden, ab 1631 Amsterdam
- Berühmte Werke
- Die Anatomie des Dr. Tulp, Die Nachtwache, Die Mühle, Die Judenbraut, Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
- Typisch
- Starkes Hell-Dunkel, warme Braun- und Goldtöne, lebendige Gruppenbilder, Selbstbildnisse ein Leben lang
Inhalt
Woran erkennt man ein Bild von Rembrandt?
Die Szenen liegen meist im Halbdunkel, nur Gesichter und Hände treffen ein warmes Licht. So lenkt Rembrandt den Blick genau dorthin, wo das Wichtige geschieht.
Seine Farbpalette ist warm und erdig. Leuchtendes Rot oder Gelb setzt er sparsam ein, dafür umso wirkungsvoller.
In den späten Bildern trägt er die Farbe mit Pinsel und Spachtel so dick auf, dass Stoffe und Schmuck fast plastisch aus dem Bild treten.
Ob Bürger, Bettler oder biblische Figuren: Rembrandt malt Menschen mit Falten, Zweifeln und Gefühlen, nicht geschönte Idealbilder.
Kein Maler vor ihm hat sich so oft selbst dargestellt, vom jungen Mann mit wilden Locken bis zum alten, müden Gesicht.
- 1606Geburt in Leiden als Sohn eines wohlhabenden Müllers.
- 1624Nach der Lehre in Leiden geht er für ein halbes Jahr zu Pieter Lastman nach Amsterdam.
- 1631Umzug nach Amsterdam in die Werkstatt des Kunsthändlers Hendrick Uylenburgh.
- 1632Die „Anatomie des Dr. Tulp“ macht ihn mit 26 Jahren zum gefragtesten Porträtmaler der Stadt.
- 1634Heirat mit Saskia van Uylenburgh, der Cousine seines Kunsthändlers.
- 1639Er kauft ein großes Haus in der Jodenbreestraat, das heute das Rembrandthaus-Museum ist.
- 1642Saskia stirbt, ein knappes Jahr nach der Geburt des Sohnes Titus. Im selben Jahr vollendet er die Nachtwache.
- 1656Rembrandt ist zahlungsunfähig, sein Haus und seine Kunstsammlung werden versteigert.
- 1663Seine Lebensgefährtin Hendrickje Stoffels stirbt, 1668 auch sein Sohn Titus.
- 1669Rembrandt stirbt in Amsterdam und wird in einem gemieteten Grab in der Westerkerk beigesetzt.
- 2019Zum 350. Todestag beginnt im Rijksmuseum die „Operation Nachtwache“, die größte Untersuchung und Restaurierung des Bildes, vor den Augen der Besucher.
Die schönsten Bilder von Rembrandt

Rembrandt van Rijn: Die Anatomie des Dr. Tulp
- 1632
- Öl auf Leinwand
- 169,5 x 216,5 cm
- Mauritshuis, Den Haag
Der Amsterdamer Stadtanatom Nicolaes Tulp zeigt an der Leiche eines hingerichteten Diebes die Muskeln des Unterarms. Sieben Männer der Chirurgengilde drängen sich heran, manche staunend, einer blickt direkt zu uns. Solche Gruppenbilder zeigten sonst steif aufgereihte Köpfe. Der 26-jährige Rembrandt machte daraus eine Szene, in der etwas geschieht. Das Bild war sein Durchbruch, danach wollten die reichen Bürger Amsterdams von ihm porträtiert werden.

Rembrandt van Rijn: Selbstbildnis im Alter von 34 Jahren
- 1640
- Öl auf Leinwand
- 102 x 80 cm
- National Gallery, London
Selbstbewusst lehnt sich Rembrandt auf eine Brüstung, in einem kostbaren pelzbesetzten Mantel und mit Barett. Die Pose hat er von berühmten Porträts von Tizian und Raffael übernommen, die er in Amsterdam gesehen hatte. Die Botschaft ist klar: Hier steht ein Maler, der sich mit den großen Italienern messen kann. Es ist das Bild eines Mannes auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, kurz bevor sein Leben eine dunkle Wendung nimmt.

Rembrandt van Rijn: Die Nachtwache
- 1642
- Öl auf Leinwand
- 380 x 454 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Eigentlich heißt das Bild „Die Kompanie von Hauptmann Frans Banninck Cocq“. Rembrandt zeigt die Bürgerwehr nicht in Reih und Glied, sondern im Aufbruch: Der Hauptmann gibt den Befehl zum Abmarsch, Musketen werden geladen, eine Trommel schlägt, ein Hund bellt. Mitten im Getümmel leuchtet ein kleines Mädchen in Gold. Der Name „Nachtwache“ kam erst später auf, weil der Firnis das Bild stark nachgedunkelt hatte. 1715 wurde es an allen Seiten beschnitten, damit es ins Amsterdamer Rathaus passte.

Rembrandt van Rijn: Die Mühle
- 1645–1648
- Öl auf Leinwand
- 88 x 106 cm
- National Gallery of Art, Washington
Eine Windmühle steht dunkel auf einem Wall über dem Fluss, dahinter ein Himmel mit schweren Wolken und warmem Abendlicht. Unten am Ufer sind eine Frau mit Kind und eine Wäscherin zu sehen. Rembrandt hat nur wenige Landschaften gemalt, und diese ist die berühmteste. Für viele Betrachter wurde die einsame Mühle zum Sinnbild seines eigenen Schicksals. Als das Bild 1911 an einen amerikanischen Sammler verkauft wurde, gab es in England öffentliche Proteste.

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Rembrandt van Rijn: Badende Frau
- 1654
- Öl auf Eichenholz
- 61,8 x 47 cm
- National Gallery, London
Eine junge Frau watet in einen Bach und hebt ihr weißes Hemd, um es nicht nass zu machen. Sie schaut aufs Wasser hinunter und lächelt ein wenig. Wahrscheinlich stand Rembrandts Lebensgefährtin Hendrickje Stoffels Modell. Das Hemd ist mit schnellen, breiten Pinselstrichen gemalt, fast wie eine Skizze, und gerade das macht das kleine Bild so lebendig und intim. Im selben Jahr musste sich Hendrickje vor dem Kirchenrat verantworten, weil sie unverheiratet mit Rembrandt zusammenlebte.

Rembrandt van Rijn: Die Staalmeesters (Die Vorsteher der Tuchmacherzunft)
- 1662
- Öl auf Leinwand
- 191,5 x 279 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Fünf Männer in Schwarz sitzen an einem Tisch mit rotem Teppich, sie prüften die Qualität des in Amsterdam gefärbten Tuchs. Einer erhebt sich gerade, alle blicken uns an, als hätten wir sie bei der Arbeit gestört. Der Diener im Hintergrund trägt als einziger keinen Hut. Das Bild entstand, als Rembrandt längst verarmt war, und zeigt, dass er als Porträtmaler noch immer unübertroffen war. Viele kennen das Motiv von den Zigarrenkisten der Marke Dutch Masters.

Rembrandt van Rijn: Die Judenbraut
- um 1665–1669
- Öl auf Leinwand
- 121,5 x 166,5 cm
- Rijksmuseum, Amsterdam
Ein Mann legt zärtlich die Hand auf die Brust einer Frau, sie berührt seine Hand mit den Fingerspitzen. Wer die beiden sind, weiß man nicht. Wahrscheinlich ein Amsterdamer Ehepaar in der Rolle des biblischen Paares Isaak und Rebekka. Den Namen „Judenbraut“ bekam das Bild erst im 19. Jahrhundert. Den Ärmel des Mannes hat Rembrandt mit dem Spachtel in dicken Schichten aus Gold und Ocker aufgebaut. Vincent van Gogh sagte, er würde zehn Jahre seines Lebens geben, um zwei Wochen vor diesem Bild sitzen zu dürfen.

Rembrandt van Rijn: Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
- um 1668
- Öl auf Leinwand
- 262 x 205 cm
- Eremitage, Sankt Petersburg
Der Sohn, der sein Erbe verprasst hat, kniet in zerrissenen Kleidern vor seinem Vater. Der alte, fast blinde Mann legt ihm die Hände auf den Rücken und verzeiht ihm. Daneben steht der ältere Bruder und schaut kühl zu. Mehr Handlung gibt es nicht, und doch gehört das Bild zu den bewegendsten der Kunstgeschichte. Rembrandt malte es in seinen letzten Lebensjahren, nachdem er Frau, Lebensgefährtin und Sohn verloren hatte.
Wo hängen Rembrandts Bilder?
Die wichtigste Sammlung besitzt das Rijksmuseum in Amsterdam mit der Nachtwache, der Judenbraut und den Staalmeesters. Ganz in der Nähe kann man im Rembrandthuis sein Wohnhaus und Atelier besichtigen. Das Mauritshuis in Den Haag zeigt die Anatomie des Dr. Tulp, die National Gallery in London mehrere Hauptwerke. In Deutschland gibt es bedeutende Rembrandt-Sammlungen in der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel, in der Berliner Gemäldegalerie und in Dresden.
Fazit: Der Maler der menschlichen Seele
Rembrandt hat Licht und Schatten eingesetzt wie kein anderer, um zu erzählen, was in Menschen vorgeht. Erfolg und Absturz liegen in seinem Leben dicht beieinander, und beides kann man in seinen Bildern sehen. Mehr über seine Zeitgenossen Caravaggio, Rubens, Velázquez, Frans Hals und Vermeer erfährst du in unserem Beitrag zum Barock und Goldenen Zeitalter.

















