Berühmte Gemälde bekannter Künstler: Die Romantik
Die Romantik ist die Epoche der Gefühle. Um 1800 haben viele Menschen genug von der kühlen Vernunft der Aufklärung und den strengen Regeln des Klassizismus. Maler, Dichter und Musiker suchen stattdessen das Geheimnisvolle: Nebel über den Bergen, Mondnächte, einsame Küsten, Ruinen und die große Sehnsucht nach dem Unendlichen.
In Deutschland wird Caspar David Friedrich zum wichtigsten Maler dieser Bewegung. In England lösen William Turner und John Constable die Landschaft in Licht und Wetter auf, in Frankreich malen Théodore Géricault und Eugène Delacroix Schiffbruch, Leidenschaft und Revolution.
- Zeitraum
- ca. 1790–1850
- Ursprung
- Deutschland und England, dann ganz Europa
- Wichtige Künstler
- Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, William Turner, John Constable, Théodore Géricault, Eugène Delacroix
- Typisch
- Gefühl, Natur, Sehnsucht, das Erhabene und Unheimliche
Inhalt
Woran erkennt man ein Gemälde der Romantik?
Nebel, Mondlicht, Gebirge und Meer zeigen nicht nur eine Landschaft, sondern eine Stimmung – Einsamkeit, Ehrfurcht oder Trauer.
Menschen, die wir nur von hinten sehen. Wir blicken mit ihren Augen in die Ferne und werden selbst Teil des Bildes.
Gewaltige Natur, winziger Mensch: Stürme, Abgründe und endlose Himmel lösen Staunen und Schauder zugleich aus.
Weite Horizonte, Sonnenuntergänge und leere Flächen – die Romantik malt die Sehnsucht nach etwas, das größer ist als wir.
Vor allem in Frankreich: bewegte Kompositionen, kräftige Farben und Themen aus der eigenen Gegenwart, vom Schiffbruch bis zur Revolution.
- 1798Die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel gründen in Berlin die Zeitschrift „Athenaeum“ – das Sprachrohr der Frühromantik.
- 1810Friedrich zeigt „Der Mönch am Meer“ in der Berliner Akademie-Ausstellung. Das preußische Königshaus kauft das Bild.
- 1810Philipp Otto Runge stirbt mit nur 33 Jahren in Hamburg.
- 1819Théodore Géricault stellt „Das Floß der Medusa“ im Pariser Salon aus und löst einen Skandal aus.
- 1830Julirevolution in Paris – Eugène Delacroix malt „Die Freiheit führt das Volk“.
- 1840Caspar David Friedrich stirbt in Dresden, verarmt und fast vergessen.
- 1844William Turner zeigt „Regen, Dampf und Geschwindigkeit“ in der Londoner Royal Academy.
Berühmte Gemälde bekannter Künstler der Romantik

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer
- um 1817
- Öl auf Leinwand
- 95 x 75 cm
- Hamburger Kunsthalle
Ein Mann im dunkelgrünen Gehrock steht auf einem Felsen, unter ihm ein Meer aus Nebel, aus dem einzelne Gipfel ragen. Wir sehen ihn nur von hinten – es ist die berühmteste Rückenfigur der Kunstgeschichte. Wer er ist, verrät Friedrich nicht, und gerade deshalb können wir uns an seine Stelle denken. Die Landschaft gibt es so nicht: Friedrich hat sie im Atelier aus Skizzen aus dem Elbsandsteingebirge zusammengesetzt. Heute ist der Wanderer das Sinnbild der deutschen Romantik schlechthin.

Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer
- 1808–1810
- Öl auf Leinwand
- 110 x 172 cm
- Alte Nationalgalerie, Berlin
Ein winziger Mönch steht am Strand, vor ihm ein fast schwarzes Meer, darüber ein riesiger, beinahe leerer Himmel. Für die Zeitgenossen war das unerhört: kein Schiff, keine Handlung, kein Halt für das Auge. Der Dichter Heinrich von Kleist schrieb, vor diesem Bild sei es, „als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären“. Untersuchungen haben gezeigt, dass Friedrich ursprünglich Segelschiffe gemalt und sie später wieder übermalt hat – er wollte die Leere.

Den „Wanderer über dem Nebelmeer“ und Friedrichs Elbtal-Motiv gibt es auf T-Shirts, Hoodies und Stoffbeuteln – erst nach deiner Bestellung für dich bedruckt.
Zur Friedrich-Kollektion →Mehr über Leben und Werk des Malers erfährst du in unserem Beitrag Caspar David Friedrich: seine schönsten Bilder und Werke.

Philipp Otto Runge: Die Hülsenbeckschen Kinder
- 1805–1806
- Öl auf Leinwand
- 132 x 144 cm
- Hamburger Kunsthalle
Drei Kinder einer Hamburger Kaufmannsfamilie spielen vor dem Gartenzaun, der Jüngste sitzt im Bollerwagen und klammert sich an den Stängel einer Sonnenblume. Runge malt die Kinder nicht niedlich, sondern auf Augenhöhe, groß und voller Kraft. Für die Romantiker war die Kindheit ein ursprünglicher, naturnaher Zustand, den die Erwachsenen verloren haben. Runge, der zweite große Romantiker neben Friedrich, starb schon 1810 mit 33 Jahren.

William Turner: Regen, Dampf und Geschwindigkeit
- 1844
- Öl auf Leinwand
- 91 x 122 cm
- National Gallery, London
Eine Dampflok der Great Western Railway rast über die Themsebrücke bei Maidenhead, mitten durch Regen und Gischt. Fast alles löst sich in Licht, Dunst und Farbe auf, nur der schwarze Schornstein und die glühende Feuerbüchse sind klar zu erkennen. Wer genau hinsieht, entdeckt einen kleinen Hasen, der vor dem Zug über die Gleise flieht. Turners Malerei ist so frei, dass sie die Impressionisten vorwegnimmt – Claude Monet sah seine Bilder 1870/71 in London.

Théodore Géricault: Das Floß der Medusa
- 1818–1819
- Öl auf Leinwand
- 491 x 716 cm
- Musée du Louvre, Paris
1816 lief die französische Fregatte „Méduse“ vor der Küste Westafrikas auf eine Sandbank. Rund 150 Menschen mussten auf ein notdürftig gebautes Floß, nach dreizehn Tagen auf dem Meer wurden nur noch 15 gerettet. Géricault sprach mit Überlebenden, ließ ein Modell des Floßes bauen und studierte Sterbende in Krankenhäusern. Sein riesiges Bild zeigt den Moment, in dem die Schiffbrüchigen am Horizont ein Schiff entdecken. Weil der unfähige Kapitän seinen Posten der Monarchie verdankte, war das Gemälde auch eine politische Anklage.

Eugène Delacroix: Die Freiheit führt das Volk
- 1830
- Öl auf Leinwand
- 260 x 325 cm
- Musée du Louvre, Paris
Im Juli 1830 stürzen die Pariser in drei Tagen König Karl X. Delacroix macht daraus eine Allegorie: Eine Frau mit Jakobinermütze, Gewehr und Trikolore führt Arbeiter, Bürger und einen Jungen mit zwei Pistolen über eine Barrikade. Die Figur der Marianne wurde zum Symbol Frankreichs, der Junge soll Victor Hugo zu seinem Gavroche in „Les Misérables“ angeregt haben. 2024 wurde das Bild restauriert und leuchtet seitdem wieder in kräftigem Blau, Weiß und Rot.
Die Romantik heute: Warum uns Friedrich wieder fasziniert
Lange galt Caspar David Friedrich als altmodisch, nach seinem Tod geriet er fast in Vergessenheit. Erst um 1900 wurde er wiederentdeckt. Zu seinem 250. Geburtstag 2024 standen die Menschen in Hamburg, Berlin und Dresden stundenlang Schlange, um seine Bilder zu sehen. Vielleicht, weil die Romantik eine Frage stellt, die heute so aktuell ist wie um 1800: Was bedeutet uns die Natur – und wo ist unser Platz in ihr?
Auch William Turners Licht wirkt weiter. Ohne seine aufgelösten Himmel ist der Impressionismus kaum vorstellbar, der wenige Jahrzehnte später in Frankreich beginnt.
Fazit: Die Kunst der Sehnsucht
Die Romantik hat die Malerei nach innen gewendet. Nicht mehr Götter, Könige und Heldentaten stehen im Mittelpunkt, sondern das, was ein Mensch beim Anblick der Natur fühlt. Friedrichs Nebelmeer, Turners Sturm und Delacroix’ Barrikade sprechen bis heute direkt zu uns. Und wer einmal allein auf einem Berggipfel in den Nebel geschaut hat, weiß ziemlich genau, was die Romantiker meinten.
















